Im Zusammengefassten Sutra der Vollkommenheit der Weisheit sagt Buddha:

“Wenn ihr mit Weisheit nach eurem Körper sucht, könnt ihr ihn nicht finden.“

Das heißt ebenfalls, dass, wenn wir mit Weisheit nach unserem Geist, unserem Ich und allen anderen Phänomenen suchen, sie nicht finden können.

Das beweist, dass die Dinge, die wir normalerweise sehen, nicht existieren. Wenn sie existieren, wieso können wir sie nicht finden, wenn wir mit Weisheit nach ihnen suchen? Wenn die Dinge, die wir normalerweise sehen, tatsächlich existieren, warum können wir sie nicht finden, wenn wir mit Weisheit nach ihnen suchen?

Da wir sie nicht finden können, wenn wir mit Weisheit nach ihnen suchen, beweist das, dass die Dinge, die wir normalerweise sehen, nicht existieren. Wenn wir dagegen mit Unwissenheit nach unserem Körper, unserem Ich und anderen Phänomenen suchen, glauben wir normalerweise, dass wir etwas gefunden haben. Aber in Wirklichkeit haben wir das falsche Objekt gefunden, nämlich inhärent existierende Dinge, die nicht wirklich existieren.

Wie suchen wir mit Weisheit nach unserem Körper? Normalerweise sehen wir unseren Körper in seinen Teilen wie den Händen, den Beinen und so weiter. Diese Art und Weise, unseren Körper zu sehen, ist fehlerhaft. Nun, indem wir uns auf Buddhas Unterweisungen verlassen, sollten wir folgendes denken:

Sind die einzelnen Teile meines Körpers wie z.B. meine Hände, meine Beine usw.  mein Körper? Nein, denn es sind Teile meines Körpers. Mein Körper ist der Besitzer der Teile. Der Besitzer und der Besitz können nicht identisch sein, können nicht eins sein.
Die Ansammlung der Teile ist auch  nicht mein Körper, denn es ist eine Ansammlung von Dingen, die nicht mein Körper sind.

Ich habe keinen Körper unabhängig von seinen Teilen, denn wenn alle Teile verschwinden, wird auch der Körper verschwinden. Daher habe ich keinen Körper unabhängig von seinen Teilen, denn, wenn alle Teile verschwinden, so wird auch der Körper verschwinden.

Indem wir auf diese Weise suchen, werden wir erkennen, dass der Körper, den wir normalerweise sehen, nicht existiert, und wir werden eine bloße Abwesenheit des Körpers, den wir normalerweise sehen, wahrnehmen. Diese bloße Abwesenheit unseres Körpers, den wir normalerweise sehen, ist die Leerheit unseres Körpers und ist die wahre Natur unseres Körpers.

Diese Art und Weise mit Weisheit nach unserem Körper zu suchen sollte auf unser Ich und alle anderen Phänomene angewendet werden, so dass ihr schließlich verstehen könnt, dass alle Dinge, alle Phänomene, die wir normalerweise sehen, nicht existieren.
Wie ich bereits sagte, sehen wir unseren Körper normalerweise in seinen Teilen. Diese Art und Weise, unseren Körper zu sehen, ist fehlerhaft, da der Körper nicht innerhalb seiner Teile existiert. Wir haben dies schon überprüft – die einzelnen Teile sind nicht unser Körper, die Ansammlung der Teile ist nicht unser Körper und es gibt keinen anderen Körper. Doch normalerweise sehen wir unseren Körper innerhalb seiner Teile. Diese Art und Weise unseren Körper zu sehen, ist fehlerhaft, weil unser Körper nicht innerhalb seiner Teile existiert.

Aber der Körper existiert als bloßer Name. Im Sutra der Vollkommenheit der Weisheit sagt Buddha:

„Shariputra, die Anhäufung von Form ist bloßer Name. Auf gleiche Weise ist Raum bloßer Name.“

In diesem Zusammenhang bedeutet „Raum“ Leerheit. Mit diesen Worten sagt Buddha, dass die Anhäufung von Form, wie unser Körper, unser Haus und so weiter als bloßer Name existiert. Raumgleiche Leerheit existiert auch als bloßer Name.

Wenn wir zum Beispiel mit Weisheit nach unserem Körper suchen, dann wird dieser, anstatt dass wir ihn finden, verschwinden. Was bleibt, ist der bloße Name unseres Körpers. Dieser bloße Name unseres Körpers ist die konventionelle Wahrheit unseres Körpers. Die Leerheit unseres Körpers ist die endgültige Natur unseres Körpers. Diese beiden Wahrheiten sind von einer Natur und untrennbar. Die gleiche Natur, untrennbar. Zum Beispiel ist unser Körper selbst konventionelle Wahrheit. Die Leerheit unseres Körpers ist endgültige Wahrheit. Diese beiden – unser Körper und die Leerheit unseres Körpers – sind eine Natur, untrennbar.

Wie es im Herzsutra heißt:

„Leerheit ist nichts anderes als Form... “
„Form“ bedeutet Körper. Leerheit ist anderes als Form.
„... Form ist auch nichts anderes als  Leerheit.“
Diese beiden sind eine Natur. Dies wird die „

Vereinigung der zwei Wahrheiten“ genannt.

Wenn wir klar verstehen, dass unser Körper und die Leerheit unseres Körpers eine Natur sind, haben wir die Vereinigung der beiden Wahrheiten verstanden, so dass unser Verständnis von Leerheit nun vollständig, authentisch ist.

Wir verneinen daher nicht den Körper. Der Körper ist konventionelle Wahrheit. Die Leerheit des Körpers ist endgültige Wahrheit. Diese beiden Wahrheiten sind eine Natur, untrennbar. Wenn wir also sorgfältig nachdenken, existieren dann die Dinge, die wir normalerweise sehen? Nein, weil sie innerhalb von Leerheit sind, nicht außerhalb von Leerheit. Im Raum der Leerheit, nicht außerhalb, weil sie untrennbar sind.

Dieses Thema ist überaus wichtig, es ist das wichtigste zu Thema für die Realisationen von sowohl Sutra als auch Tantra, um Befreiung und Erleuchtung zu erlangen.
Das wichtigste Thema, wichtigste Objekt des Wissens. Daher sagt Je Tsongkhapa:

„Die Essenz des Buddhadharma ist Leerheit.“

Das bedeutet Leerheit zu verstehen. Die Realisation von Leerheit ist die Essenz des Buddhadharma.

Es gibt so viele verschiedene Ebenen von Gelehrten. Der höchste Gelehrte ist der Gelehrte, der die Leerheit von Phänomenen kennt. Es gibt so viele Spirituelle Lehrer oder Spirituelle Meister. Unter ihnen ist der Spirituelle Lehrer oder der Spirituelle Meister, der die Leerheit von Phänomenen realisiert, der höchste. Das sagt Je Tsongkhapa.